1. Feb, 2017

Begegnung mit einer Schamanin – Coaching und Lebensberatung aus einer uralten Tradition

In diesem Blog möchte ich von einer Begegnung berichten, die für mich als Coach sehr interessant war, da sie meine Sichtweise und meinen Blickwinkel erweiterte, wenn es darum geht Menschen auf ihrem Lebensweg zu helfen und zu beraten. Unser Urlaub im indonesischen Bali wurde schon am Anfang von merkwürdigen Zufällen geprägt. Und fast am Ende unserer Reise hatten wir dadurch das Privileg einer Schamanin zu begegnen. Wir gingen unbefangen und ohne Erwartungen in diese Begegnung, ohne vorschnell Schlüsse zu ziehen oder die kommende Erfahrung durch die Filter unserer westlichen Sichtweise zu beurteilen.

Schamanen gibt es in allen Kulturen der Erde. Sie sind Heiler, Seher, Berater und haben eine enge Verbindung zur Natur. Man sagt ihnen nach, dass sie mit Geistern kommunizieren und ihre Kraft von einer allumfassenden, göttlichen Macht beziehen. Alle Einzelheiten der Reise die in Bezug zu diesem Erlebnis stehen zu beschreiben, würde den Rahmen eines Blogs sprengen, deswegen möchte ich mich auf die Essenz dieser Erfahrungen beziehen und nur einige, meines Erachtens, wichtige Punkte aufführen. Beginnen wir am Anfang.

Viele Menschen auf Bali, vorwiegend Männer, versuchen ihr Geld mit einem Fahrdienst zu verdienen. Schon am Flughafen wird man fast schon lästig bedrängt von verschiedenen Fahrern. So war es auch bei uns. Erschöpft von einer mehr als zwanzigstündigen Reise, suchten wir einen Fahrer der uns günstig von Denpasar nach Ubud bringen sollte. Nach einigen Abfuhren die wir den aufdringlichen Fahrern erteilten, sprach uns ein recht sympathischer junger Mann an, zu den wir dann nach Preisverhandlungen, ins Auto stiegen. Auf der Fahrt buchten wir beim ihm dann gleich unsere Weiterfahrt in den nächsten drei Tagen zum nächsten Ziel. Einen Abend vor unserer Weiterfahrt schrieb ich ihm per What´s App die Uhrzeit der Abreise am nächsten Tag und wollte wissen ob unsere Verabredung verbindlich ist. Er sagte uns zu mit der Entschuldigung, dass er aus gesundheitlichen Gründen leider nicht kommen kann, er würde aber seinen Bruder schicken. Namen und Bild seines Bruders folgten per What´s App. Das Ding war gebongt und der Bruder gleich für weitere Fahrten gebucht. Als wir von Kuta nach Padangbai fuhren, um zu den Gili Inseln zu reisen, erzählte uns der Fahrer nach längeren Gesprächen, kurz vor Ankunft das er einen Lehrer hat der Menschen heilt, Dinge aus Vergangenheit und Zukunft sehen kann und zu dem sogar australische Ärzte anreisen würden, um sich heilen zu lassen. Unser Interesse war geweckt und wir fragten ob er ein Treffen arrangieren könnte, nach unserem Aufenthalt auf Gili Air Island. Er sagte, dass er uns vertraue und dass er mit seinem Lehrer sprechen würde.

Dann lief alles wie am Schnürchen. Nach unserer Rückkehr von den Gili Inseln machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Denpasar wo der besagte Lehrer, Heiler, Schamane leben sollte. Auf der Fahrt hielten wir an einem kleinen Stand am Straßenrand an und kauften zwei grüne und zwei gelbe Kokosnüsse, außerdem eine Opfergabe, die schon zubereitet war. Auf Bali ist der Hinduismus weit verbreitet und Opfergaben sieht man vor jedem Haus, jedem Geschäft und jedem Tempel. Für was die Kokosnüsse sein sollten, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. In Denpasar angekommen, fuhren wir durch enge Gassen und Straßen in ein Stadtviertel, das wir bei uns als arm bezeichnen würden. Wir parkten das Auto und gingen durch ein Eisentor auf einen kleinen schmalen Hinterhof auf dem uns eine kleine ca. 55jährige Frau mit strahlendem Lächeln und gelbem Poloshirt empfing. Sie hatte einen klaren Blick und eine starke Präsenz. Sie umarmte uns und sagte anschließend zu mir: „Du hast einen starken Geist und ein starkes Herz.“ Ich freute mich natürlich über diese Worte. Wer hört nicht gern derartige „Komplimente“. Doch meine Freude wurde nur wenige Sekunden danach gedämpft, als sie hinzufügte, dass mir das nicht gut tun würde, weil es wie ein inneres Feuer wütet und Schaden anrichten kann. Ich sei nicht offen genug und habe Probleme damit, mich in vielen Situationen zu öffnen. Wow, da fühlt man sich ertappt und entblößt. Wir dachten erst, dass sie vielleicht die Frau des Schamanen ist, als wir den Hinterhof betraten aber nach diesen Sätzen wussten wir, dass sie der besagte Lehrer ist, von dem unser Fahrer sprach. Mit seinem mittelmäßigen Englisch sprach er auf der Fahrt immer nur von „my Teacher“.

 

Worte die unter die Haut gingen

Wir setzten uns auf den Boden der Terrasse vor ihrer Wohnung auf eine Art Decke. Unser Fahrer erzählte uns, dass sie zwar ein Bett habe aber immer auf dem Fußboden der Terrasse schlafen würde, auf der sie auch täglich ihre Gebete und Meditationen macht, eine Art Demutsübung mit der sie ihren Geist schulte. Wir erfuhren, dass sie Katholikin ist, als sie auf ein Kreuz über ihrer Tür wies. Sie bot uns Wasser an und machte direkt weiter. Sie sagte zu mir mit einem Lächeln im Gesicht, dass mich meine Großmutter lieben würde. BÄHMM, wieder Volltreffer. Nach diesen Worten verspürte ich eine heftige emotionale Reaktion und musste ganz schön mit mir ringen keine feuchten Augen zu bekommen. Ich hatte eine starke Bindung zu meinen Großeltern und habe als Kind oft die Wochenenden bei ihnen verbracht. Sie fuhr fort und erzählte mir genau das und fügte hinzu das ich dann immer nicht nach Hause wollte. Als ich den Fahrer verdutzt anguckte, der als Dolmetscher fungierte, zeigte er abwechselnd nach oben und auf die Schamanin, so als wollte er signalisieren das sie in Kommunikation oder in Verbindung mit jemandem ist. Es folgten einige Worte über meine Familie die sehr persönlich waren und ich hatte das Gefühl als würde sie mir direkt in die Seele blicken.

Nach diesem kurzen intensiven Gespräch fuhren wir zum Strand und wurden Bestandteil einer Reinigungszeremonie. Hier kamen die grünen Kokosnüsse zum Einsatz und die Opfergabe. Die Schamanin ging bis zu den Knien ins Wasser und betete, in dieser Zeit wurden wir dazu angehalten Räucherstäbchen anzuzünden und vor die Opfergabe in den Sand zu stecken. Sie öffnete die Kokosnüsse und gab sie uns. Aus der Kokosnuss sollten wir drei Schlucke trinken und uns dreimal das Gesicht mit dem Wasser der Kokosnuss waschen. Danach goss sie uns in einzelnen Etappen das Wasser über den Körper und legte ihre Handfläche auf den Scheitel und verschiedene Bereiche des Rückens. Anschließen sollten wir ins Wasser gehen und uns reinigen.

Auf der Rückfahrt erzählte sie weitere Dinge aus meiner Kindheit und machte sich lustig was ich als Kind für einen Haarschnitt hatte. Der Fahrer sagte, dass sie die Situation etwas auflockern wollte, da wir sehr angespannt wirkten. Wieder bei ihr angekommen, bereitete sie einen großen Kübel mit Wasser vor, in den sie Blüten, Früchte und Kräuter tat. Nach einiger Einwirkzeit sollten wir uns rechts und links neben den Kübel setzen. Es folgte ein weiterer Guss mit dem duftenden Wasser aus dem Kübel. Wieder drückte sie ihre Handfläche auf Kopf und Rücken. Mit dem restlichen Wasser sollten wir uns selbst begießen. Danach kamen die gelben Kokosnüsse zum Einsatz. Wieder trinken und Gesicht waschen. Nach den Reinigungszeremonien, die zur Aurareinigung dienen sollten, tranken wir gemeinsam Tee und sie fing an kleine Fläschchen zwischen beide Handflächen zu nehmen und in eine Art Meditation oder Gebet zu gehen. Jeder bekam ein kleines Fläschchen in der sich ein, nach Blumen duftendes Parfüm befand. Das sollten wir vor der Meditation auf die Handflächen tun und verreiben. Die Schamanin wies mich an, die Augen zu schließen und sie selbst nahm wieder ihre Meditationshaltung ein. Ich hatte keine Anweisung von ihr bekommen was ich tun sollte, also blieb ich gespannt was passieren würde. Nach kurzer Zeit spürte ich eine sich ausbreitende Wärme im Bauchraum, was sehr angenehm aber auch aufregend war. Ich wusste nicht wann dieser Akt vorbei sein sollte und lies die Augen noch für einen kurzen Moment geschlossen. Als mir die Ruhe zu groß wurde, öffnete ich die Augen und sah in ihr lächelndes Gesicht. Sie fragte mich was ich gespürt habe und ich schilderte ihr meine Erfahrung. Ihr Schüler, unser Fahrer sagte, dass sie mir Energie geschickt habe.

Danach zeigte sie mir am Arm ihres Schülers wie sie die Lebensenergie durch den Körper ihrer Patienten schickt. Da ich Therapeut für Traditionelle Chinesische Medizin bin, bin ich vertraut mit der Wirkungsweise von Akupressur, Akupunktur, Tuina Anmo Massage und der Lehre der Meridiane. Daher wusste ich, dass sie den Lungenmeridian ihres Schülers mit Daumen und Zeigefinger bearbeitete vom Daumen bis zu einem Punkt unter dem Schlüsselbein. Ihr Schüler schüttelte den Arm nachdem sie oben angekommen war, als würde er ihre oder seine eigene Energie wahrnehmen. Er erzählte uns, dass sie gelähmte Leute geheilt hat und dass durch das Befolgen ihrer Anweisungen viele Menschen ihr Leben verändert hätten. Das konnten wir natürlich nicht nachprüfen aber nach diesem Tag bei ihr, war das gut vorstellbar. Sie sagte mir, warum es in meinem Job in letzter Zeit nicht voran ging und gab mir Anweisungen, was in diesem Fall zu tun ist. Wieder sah sie etwas, was sie gar nicht wissen konnte. Ich war mir mittlerweile nicht mehr sicher ob die Umstände oder das Schicksal uns zu ihr geführt hatten oder ob sie uns durch die verschiedenen Ereignisse und Begegnungen zu sich geführt hatte. Nach weiteren Erklärungen und Gesprächen über Heilmethoden, bot sie mir an für ein Jahr auf Bali zu bleiben, um bei ihr zu lernen, was für mich natürlich nicht in Frage kam. Dennoch war es eine sehr interessante Erfahrung die wir bei ihr machen durften.

Am späten Nachmittag verabschiedeten wir uns von ihr und sie bot uns an, jeder Zeit mit ihr in Kontakt zu treten, wenn wir Hilfe benötigen.

Die Essenz der Lehre die wir erfahren durften

1.Die Bedeutung des Glaubens

  • Nach der Ansicht der Schamanin ist es egal an welchen Gott oder welche Sache du glaubst. Wichtig ist, dass du an etwas glaubst, daraus deine Kraft beziehst und dass dieser Glaube Berge versetzen kann.

 2.Teile deine Gabe

  • Sie sagte, dass wir unsere positive Energie und unsere Fähigkeiten teilen müssen mit allen Menschen die uns begegnen, denn diese Energie ist nicht unser Eigentum. Behalten wir sie für uns, schadet sie uns. Teilen wir sie, werden wir mit mehr versorgt durch eine unendliche göttliche Quelle.

 3. Konzentriere dich auf das Heilen und nicht auf Konflikte mit anderen

  • Nach Aussage der Schamanin werden Kontrahenten und Widersacher auftreten. Diesen soll man keine Beachtung und Energie schenken und sich stattdessen auf Helfen und Heilen konzentrieren.

 4.Nur mit der Verbindung von Kopf und Herz kann man wahrhaft sehen

  • Sie wies immer wieder darauf hin, dass man durch die Verbindung von Kopf und Herz die Fähigkeit erwirbt Wahres vom Unwahren zu trennen und die Wahrheit sehen kann.

 5.Rituale führen dich zum Erfolg

  • Ihren Schüler wies sie an täglich zu meditieren und zu beten, dann wird sich sein Leben verändern. Die Schamanin erzählte uns, dass ihr Schüler früher in Gangs unterwegs war, immer zwei bis drei Messer bei sich trug und dauernd in Schwierigkeiten verwickelt war. Durch Rituale veränderte sich sein Leben. Rituale sind unsere täglichen Gewohnheiten die unbewusst unser Leben lenken. Wählen wir sie bewusst, wird uns das in die gewünschte Richtung in unserem Leben bringen. Selbst ein kleines Parfüm kann als Anker für einen positiven Zustand dienen, der dir hilft deine Gedanken neu auszurichten und deinen Glauben zu stärken.

 6.Güte und Sanftheit

  • Nach Ansicht der Schamanin sollte man Güte und Sanftheit vor allem an sich selbst walten lassen. Sich zu öffnen und andere an seiner Einzigartigkeit teilhaben zu lassen, stößt die Menschen in eine Aufwärtsspirale der persönlichen und globalen Weiterentwicklung. Wer Güte und Sanftheit an sich übt wird diese früher oder später auf andere übertragen und zum Allgemeinwohl beitragen.

Ich muss zugeben, dass es mir schwer fällt die Ereignisse neutral und nüchtern zu betrachten und es einfach als eine interessante Erfahrung anzunehmen, weil es das westliche Weltmodell an seinen Grenzen erschüttert und nicht so recht in unsere Erlebniswelt zu passen scheint. Trotzdem möchte ich mir eine offene Haltung bewahren und Erfahrungen wie diese, nicht durch die Filter der anerzogenen Grenzen unserer Kultur gleiten lassen. Diese einmalige Erfahrung zeigte uns, das es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir mit den Methoden der Wissenschaft noch nicht erklären können, außer vielleicht mit den Theorien der Quantenphysik. Es zeigte aber auch, dass es seit Jahrtausenden Lebensberatung gibt, auch wenn sich die Methoden erheblich unterscheiden, das Ziel jedoch das gleiche ist, nämlich Glück, Freude und Erfolg für alle zu gewährleisten die es für sich wünschen.